Unsere Handwerker und ihre Berufe

Früher hatte jeder Bewohner eine präzise Rolle im Dorf inne. Die Handwerker mussten allen Bedürfnissen der Dorfgemeinde gerecht werden: Ihre Berufe waren unentbehrlich. In diesem ländlichen Kontext Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch keine Konkurrenz.

Es war normal, dass ein Handwerker mehrere Berufe zugleich ausübte - und dies aus verschiedenen Gründen:

  • Entweder seine Haupttätigkeit war saisonabhängig,
  • oder er wollte sein Einkommen steigern oder
  • beide Tätigkeiten waren traditionell miteinander verbunden.

Diese Berufe und das damit verbundene altüberlieferte Know-how bilden das immaterielle Kulturerbe. Dieses gilt es zu bewahren, zu schützen und aufzuwerten - genau wie die Gebäude und die darin enthaltenen Gegenstände. Im Écomusée d'Alsace werden mehrere dieser alten Berufe in ihren eigenen Werkstätten gezeigt: Stoßen Sie die Türen auf und gehen Sie auf Entdeckung...

Der Barbier

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte der Barbier über die Bärte und Schnauzer! Er widmete sich ausschließlich der männlichen Kundschaft. Sein bevorzugtes Handwerkszeug waren:

  • für die Rasur: der Rasierpinsel und das Rasiermesser,
  • für das Stutzen der Bärte und Schnauzer: Kamm und Schere.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Rasierapparat mit auswechselbarer Klinge - entwickelt von einem gewissen Gillette - populär. Die Tätigkeit des Barbiers verlor dadurch an Bedeutung, zugunsten der Friseure.

Wussten Sie...

... dass die Barbiere bis ins 18. Jahrhundert hinein ebenfalls chirurgisch tätig waren? Im Unterschied zu den Medizinern, deren Wissen in erster Linie theoretischer Natur war, führten die Barbiere oder Bader verschiedene Tätigkeiten durch: Aderlass, Schröpfen, Behandlung von Knochenbrüchen und Zähneziehen.


Der Bäcker

Zwar ist das Brotbacken heute zumeist Angelegenheit des Bäckers - früher war dies jedoch nicht immer so. Anfang des vergangenen Jahrhunderts backte jede Familie noch ihr eigenes Brot. Generell war Samstag „Brotbacktag“ und Sache der Hausfrau.

Im Gegensatz zu anderen Regionen Frankreichs, wo bis zur Französischen Revolution ein einfacher Ofen verwendet wurde, besaß im Elsass jedes Haus seinen eigenen Brotofen. Im Übrigen sieht man diese Öfen hinter den Häusern im Écomusée d'Alsace hervorragen.

Solange der Ofen noch heiß war, breitete man den restlichen Teig im Ofen flach aus und belegte ihn mit Schmand und Früchten oder Zwiebeln. Dies ist übrigens der Ursprung einer elsässischen kulinarischen Spezialität: der Flammkuchen bzw. flammakuecha.

Wussten Sie...

... dass das Brot zwar Grundnahrungsmittel unserer europäischen Gesellschaft ist, seine Ursprünge jedoch bis zum alten Ägypten zurückgehen? Um 3500 v.Chr. haben die Ägypter begonnen, aus einem Getreidebrei hergestellte flache Fladen zu konsumieren. Dies ist zweifelsohne einer Vergesslichkeit zu verdanken, aus der das Hefebrot entstanden ist, wie wir es kennen: Der in der Sonne liegengelassene Getreidebrei ist fermentiert und wurde beim Backen zu Hefeteig.


Der Stellmacher

Die wesentliche Aufgabe dieses Holzhandwerkers bestand in der Herstellung von Fahrzeugen (Karren, Kipper, Schlitten,...), deren schwierigster Bestandteil die Fabrikation der Räder war. Er stellte ebenfalls Werkzeuggriffe und -stiele, Leitern,... her. Im Winter, wenn die Arbeit weniger wurde und es weniger Karren und Werkzeug zu reparieren gab, führte der Stellmacher Schreinerarbeiten durch. So konnte er auch Spielsachen für die Kinder und verschiedene Alltagsgegenstände wie bspw. Uhrenkästen herstellen.

Sein Beruf erforderte nicht nur die Beherrschung der verschiedenen Techniken zur Bearbeitung von Holz, sondern auch von Eisen: Stellmacher und Schmied arbeiteten bei der Anbringung des Mantelrings an die Räder eng miteinander zusammen.

Aufgrund der hohen Anzahl der Karren und Werkzeuge, die es zu reparieren und herzustellen galt, war der Stellmacher früher sehr gefragt. Die Wege, die von den Karren und Kaleschen genutzt wurden, befanden sich in der Tat oft in einem schlechten Zustand und führten zu Beschädigungen.

War Anfang des 20. Jahrhunderts noch in jedem Dorf ein Stellmacher vertreten, so begann er in den 1950er Jahren langsam zu verschwinden - Grund war das Aufkommen und die allgemeine Verbreitung motorisierter Fahrzeuge und luftgefüllter Reifen.

Wussten Sie...

... dass ein Stellmacher auch als „Wagner“ bezeichnet wird? Im Elsass wurde er meistens „krum holz“ (Krummes Holz) genannt. Denn in der Tat bearbeitete er in erster Linie gebogenes Holz.


Der Schuster

Zusammen mit dem Holzschuhmacher stellte der Schuster die Schuhe der Dorfbewohner her. Er war für die Fabrikation der Lederschuhe zuständig. Es gab zwei verschiedene Arten und Weisen, die Einzelteile der Schuhe zusammenzufügen:

  • Sie auf einer Form aus Eisen oder Gusseisen zu montieren und mit Hilfe von Nägeln zu fixieren,
  • Sie auf einer Form aus Holz zu montieren und mit Hilfe von Klammern zusammenzuhalten, um sie anschließend mit Pechdraht zusammenzunähen.

Die genähten Schuhe waren teurer aber von besserer Qualität als die genagelten Schuhe.

Die Schuhreparatur, die heutzutage die Haupttätigkeit eines Schusters ist, war damals ein komplett anderer Beruf: derjenige des Flickschusters.

Wussten Sie...

... dass das französische Wort für Schuster, „cordonnier“, ursprünglich „cordouannier“, von der spanischen Stadt Cordue abstammt, die für ihre Qualität bei der Ausführung von Lederarbeiten seit dem Mittelalter berühmt war?


Der Schmied

Der Schmied war auf dem Lande eine bedeutende und höchstgeachtete Person, da er der einzige war, der die Arbeit mit Metall beherrschte. Jeder in der Dorfgemeinschaft benötigte ihn: Der Stellmacher für die Vorbereitung der Metallbänder für die Räder und die Herstellung der Wagenachsen, der Schreiner für die Riegel, für die Basquillverschlüsse der Fenster und die Türklopfer, der Küfer für die Barriquereifen, aber auch der Bauer für die Pflugschar, die Egge, die Heugabel... Zusätzlich war er für die Herstellung von Werkzeug - das für jeden Beruf von wesentlicher Bedeutung ist - gefragt.

Die Kunst des Schmiedes bestand darin, in der Beherrschung der Warmschmiedetechnik. Zusätzlich war er gleichzeitig als Hufschmied tätig und beherrschte so die Fertigung von Schlosserei- und Kunstschmiedearbeiten (Gitter, Portale, Wetterfahnen,...).

Die Einrichtung einer Schmiedewerkstatt war einfach: ein mit Kohle beheizter Ofen, ein Abzug, ein riesiger Blasebalg aus Leder, um das Feuer und das Metall zur Weißglut zu erhitzen, ein Wasserbecken zum Abkühlen des Metalls und um Stücke darin einzutauchen, ein Amboss und eine Reihe an Werkzeugen (Klemmen, Vorschlaghammer, Hammer, …).

Wussten Sie...

... dass der Schmied für das Dorfleben zwar unentbehrlich, jedoch von manchen nicht weniger gefürchtet war? In der Tat hatte er oft den Ruf, einen starken Charakter zu haben und - vielleicht aufgrund seiner Beherrschung des Feuers oder seines rußgeschwärzten Körpers - eine Art Hexenmeister zu sein.


Der Fischer

Da das Elsass eine Region mit zahlreichen fischreichen Gewässern ist, war die Tätigkeit des Berufsfischers bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts hier sehr bedeutend.

Für den Fischfang besaßen die Fischer ein ganzes Arsenal an Fallen und Netzen, die sie selbst aus Hanfseilen fertigten.

Mit den Kanalisationsarbeiten, der Industrialisierung und der Verschmutzung der Gewässer in den 1950er und 1960er Jahren kam der schrittweise Rückgang des Fischbestands, und die meisten Berufsfischer stellten die Ausübung ihres Berufs ein. Heute gibt es nur noch wenige, die in der Elsass von der Fischerei leben.

Wussten Sie...

... dass die Flüsse im Elsass fischreich sind, aber nicht nur das? Der Rhein ist ebenfalls dafür bekannt, ein goldführender Wasserlauf zu sein. Aus diesem Grunde betätigten sich manche Fischer parallel als Goldwäscher, um ihr eher bescheidenes Einkommen ein wenig aufzustocken.


Der Töpfer

Der Töpfer stellt alle möglichen Dinge aus Ton her - insbesondere Gebrauchsgegenstände, die hoch temperaturresistent sind (bspw. für Ofen oder Feuerstelle). Der Großteil seiner Arbeiten ist somit für den Haushalt bestimmt: Backformen für Kuchen oder Baeckeoffe-Formen, Milchtöpfe, Krüge, Trinkschalen, Teller sowie Vasen und Blumentöpfe.

Die im Écomusée d'Alsace wieder errichtete Werkstatt präsentiert die Techniken und das Know-how der Töpfer aus Soufflenheim, einem Dorf im Nordelsass.

Töpferwaren wurden einst als gewöhnliche Gebrauchsgegenstände betrachtet. Sie wurden zum Kochen und zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet. Ab den 1930er Jahren wurden sie schrittweise durch Gusseisen und emailliertes Blech ersetzt. Heutzutage wird Töpferware eher zu dekorativen Zwecken genutzt - und die Töpfer haben sich dieser Nachfrage angepasst.

Wussten Sie...

... dass den Töpfern aus Soufflenheim im Jahr 1181 das Recht, Erde abzubauen, von Friedrich II. Barbarossa zugebilligt wurde? Der Legende nach wurde dieser bei der Jagd von einem Töpfer vor einer angreifenden Wildsau gerettet, woraufhin er beschlossen haben soll, der gesamten Innung durch Zubilligung dieses Rechts zu danken.


Der Sattler

Der Sattler verarbeitet Leder. Seine Tätigkeit war eng mit der Nutzung von Zugtieren verbunden. Zaumzeug, Riemen, Gurte, Halfter, Packsattel, Joch... all diese Dinge, die der Sattler herstellte und reparierte, waren für die Nutzung der Tierkraft notwendig.

Wie der Beruf des Stellmachers verschwand dieser alte Beruf nach und nach gemeinsam mit der Aufgabe der Nutzung von Zugtieren. Manche Handwerker haben sich der Herstellung von Lederwaren, der Polsterei oder Autosattlerei zugewandt.

Wussten Sie...

... dass der französische Ausdruck für Sattler „bourrelier“ vom Wort „bourre“ kommt, das soviel wie Flaum oder Fasern bedeutet, die für die Füllung von Lederkissen für die Schulterriemen, die Joche und die Packsattel verwendet wurden. Der französische Ausdruck „sellier“ kommt wie im Deutschen vom Ausdruck „Sattel“ (frz. „selle“): Der „bourrelier“ wird dann zum „sellier“, sobald er sich um die Ausstattung der Reitpferde kümmert.


Der Küfer

Der Küfer ist ein Holzhandwerker, dessen Know-how dem Winzer sehr nützlich ist: Sein Beruf besteht darin, Fässer herzustellen. Hierfür muss der Küfer die Holzbearbeitung bis zur Perfektion beherrschen. Das Holz biegt er dank der kombinierten Verwendung von Wasser und Hitze.

Heutzutage werden Holzfässer fast ausschließlich für Wein verwendet. Früher bediente man sich ihrer zur Lagerung und zum Transport aller Flüssigkeiten aber auch von Trockenware wie bspw. Kanonenpulver.

Wussten Sie...

... dass die Arbeit des Küfers bis zur gallischen Epoche vor über 2000 Jahren zurückgeht? Auch wenn die Küfer ihre Arbeit im Laufe der Jahrhunderte immer mehr perfektioniert haben, so blieb das Grundprinzip, d.h. die Verwendung von Wasser und Hitze zum Biegen des Holzes, immer dasselbe.


Der Korbflechter

Der Korbflechter stellt mit Hilfe von feinen und biegsamen Stängeln dekorative Objekte und Gebrauchsgegenstände her (Körbe, Möbel,...). Meistens verwendet der Korbflechter Weidenruten, die aus den Zweigen von Flechtweiden gewonnen werden. Für die Ausübung dieses Berufes benötigt man großes handwerkliches Geschick, da hierbei geknotet, gezöpfelt und geflochten wird.

Der Korbflechter ist Bauer und Handwerker zugleich. Oft besitzt er seine eigenen Weiden.

Anfang des 20. Jahrhunderts zählte man in Frankreich noch 23 000 bis 25 000 Korbflechter. Heute gibt es noch weniger als 180 in ganz Frankreich, insbesondere in der Haute-Marne und in der Touraine.

Wussten Sie...

... dass die Blütezeit des Korbflechter-Berufes zum Zeitpunkt der Industrialisierung herrschte? Dieser Handwerker arbeitete damals für verschiedene Wirtschaftszweige: Weinbau, Landwirtschaft, Bäckerei… Heute interessieren sich andere Bereiche für die Kunst des Korbflechtens: v.a. das Showbusiness und die Modebranche, Innenarchitektur und Gartendekoration.

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